Australian Shepherd – Rassenbeschreibung

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Dies ist keine Rassenbeschreibung im herkömmlichen Sinne.

Aktuell findet man im Netz die unterschiedlichsten Rassenbeschreibungen über den Aussie. Noch nie habe ich über andere Rassen solch bunt gemischte, teils widersinnige Beschreibungen gelesen!

Wer hier eine Rassenbeschreibung erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Es ist vielmehr eine Gegenüberstellung von so manch inkorrekten Beschreibungen, die im Internet kursieren.

Dieser Bericht ist ein Appell an alle, die sich für den Rassehund Australian Shepherd interessieren:

!! Rassenbeschreibungen mit Aussagen, wie ich sie nachfolgend aufführe, sollten unbedingt sehr kritisch betrachtet werden. Hier wäre die Überlegung angebracht, welche Beschreibungen zutreffender sind: jene, die von Hundehaltern und Züchtern mit Erfahrungen von zehn Jahren und mehr einhergehen und sich mit 90 % aller Beschreibungen größtenteils gleichen, oder selten auftretende Beschreibungen
von Personen, die ihren ersten Aussie gerade mal dreieinhalb Jahren halten.  

Ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit/Geschichte der Aussies

Ursprünglich wurde der Australian Shepherd für das Hüten der Schafe gezüchtet. Interessant ist, dass die Schafe auch etwas mit der Namensgebung zu tun haben.
Im 18. Jahrhundert wurden in Spanien ausschließlich Merinoschafe gezüchtet. Ihre Ausfuhr aus dem Land war unter Todesstrafe verboten. Später jedoch, wurden die Schafe mit ihrer begehrten feinen Wolle nach Australien und in die Neue Welt exportiert. Die Amerikaner nannten die neuen Schafe schlicht „Australian Sheep“ und die Hunde, von denen sie gehütet wurden, „Australian Shepherd“. Heute geht man davon aus, dass es diesem Umstand zu verdanken ist, dass die Aussies als Australian Shepherds bezeichnet werden.

Ich liebe es, belegte Geschichten/Herkunft über Tiere und Menschen zu studieren. Diese Geschichte belegt somit, dass die Australian Shepherds ursprünglich für das Schafhüten gezüchtet wurden und nicht für die Rinder. Das Hüten der Rinder kam später hinzu.

Wusstet ihr übrigens, dass amerikanische Ureinwohner die Australian Shepherds verehrten und sie als heilig betrachten? Der Grund dafür war die Vielfalt an Fellzeichnungen und dazu häufig eisblaue Augen, oder zwei verschieden farbige Augen. Demzufolge wurden sie damals von den Indianern „ die mit den Geisteraugen“ („ ghost-eyed-dogs“) genannt.

Nun aber weiter zu den widersprüchlichen, teils inkorrekten Beschreibungen.
Vorweg möchte ich aber noch Folgendes erwähnen:

Der Aussie ist auch nur ein Hund

Nicht mehr und nicht weniger! Immer noch sind die Menschen der festen Überzeugung, dass das Wesen eines Hundes zum großen Teil durch seine Rasse bestimmt wird. Lt. einer neuen Studie (Zeitschrift Science), wurde jedoch belegt, dass die Verbindung zwischen Rasse und Verhalten bei Weitem nicht so stark ausgeprägt ist, wie bisher angenommen.

Darin wird beschrieben, dass es nur äußerlich rassespezifische Unterschiede gäbe. Lediglich neun Prozent könnten lt. der Studie dem Einflussanteil, den die Rassezugehörigkeit am Wesen eines individuellen Hundes hat, zugeordnet werden. Demzufolge konnte in der gesamten Studie nicht nachgewiesen werden, dass es Verhaltensweisen gibt, die spezifisch nur bei einer Hunderasse vorkommen.

Ausgeglichenes Gemüt – Aggressives Verhalten?

In vielen Rassenbezeichnungen finden sich Verhaltensweisen wie ausgeglichen, familienfreundlich und liebevoll wieder, denen ich zu hundert Prozent beipflichten kann!

Andere Menschen beschreiben den Australian Shepherd als aggressiv, bissig und schwer erziehbar! Sicherlich gibt es auch bei den Australian Shepherds Ausnahmen. Doch diese Eigenschaften findet man bei den meisten Hunderassen wieder. Vor allem dann, wenn sie nicht richtig erzogen werden.

Beispiel:

Bei uns im Ort lebt ein Jack-Russell-Terrier. Er ist einer unter Vielen. Viele dieser Jack-Russell-Terrier bellen und fühlen sich stark, wenn wir vorbeilaufen. Doch es gibt einen Jack-Russell-T. Rüde, der ist extrem aggressiv. Leider lässt seine Hundehalterin ihn immer ohne Leine laufen. Bereits vor 2 Jahren attackierte er Nikan aus dem Nichts heraus, und biss ihm ins Ohr. Es war damals die erste Begegnung mit diesem Hund. In diesem Park herrscht Leinenpflicht, daher hatte ich damals wie auch heute Nikan an der Leine. Doch nicht alle richten sich danach. Der kleine aggressive Kerl ließ sich nicht sofort von seinem Frauchen davon abbringen, Nikan, wiederholt zu attackieren. Dieses Verhalten zeigt er jedes Mal, wenn wir sein Frauchen und ihn treffen. Mit großer Mühe jedoch, kann sie ihn noch festhalten, bevor er ein weiteres Mal zum Angriff übergeht. Das letzte Mal wäre er fast über die befahrene Hauptverkehrsstraße gesprungen. Ich verstehe nicht, warum diese Frau ihn ständig unangeleint laufen lässt!

Fakt ist jedenfalls, solch ein aggressives Verhalten ist bei allen Hunderassen möglich, wenn der Hund falsch erzogen wird und sicherlich kein typisches Verhalten für einen Aussie! Wir dürfen eines nicht vergessen, auch wenn wir unsere Hunde noch so lieb haben, in jedem Hund, und mag er noch so klein sein, steckt ein Raubtier! Falsche Erziehungsmuster, Unterforderung, Überforderung, auch zu starke Vermenschlichung können jeden Hund und jede Hunderasse aggressiv werden lassen.

Derartige Rassenbeschreibungen machen mich wüten, denn sie sind haltlos und irreführend! Wir haben in unserem Ort inzwischen neun Australian Shepherd-Hund und kein einziger ist aggressiv! Natürlich können auch Aussies aggressiv werden – bei falscher Erziehung – jedoch ist dies kein typisches Merkmal für den Aussie!

Hütehunde: Australian Shepherd und Deutscher Schäferhund

Es ist ein unangebracht und irreführend, dass das Wesen vom Deutschen Schäferhund mit dem Australian Shepherd zu vergleichen wäre.

Denn sie zeigen deutliche Unterschiede im Temperament und Verhalten. Richtig ist, beide sind aktive und intelligente Hunde. Jedoch neigt der Schäferhund dazu, beschützender und wachsamer zu sein, was ihn zu einem hervorragenden Wachhund macht. Fremden gegenüber kann er vorsichtiger sein und braucht eine klare Führung, um sein Verhalten zu steuern.

Der Australian Shepherd dagegen hat einen fröhlicheren und verspielteren Charakter. Der Deutsche Schäferhund hat einen ganz klaren Vorteil, wenn es speziell um Wach- und Schutzaufgaben geht. Sein starker Schutzinstinkt, kombiniert mit seiner Größe und seinem Training, macht ihn zur ersten Wahl für viele, die einen Wachhund suchen. Der Australian Shepherd ist ein wunderbarer Familienhund und kann auch als Wachhund dienen, aber er hat nicht die gleiche Intensität und den gleichen Fokus wie der Deutsche Schäferhund in dieser speziellen Rolle.

Aufgrund der Schwererziehbarkeit werden Aussies am meisten abgegeben

Ich frage mich, wie so manche Personen auf solch ein Ergebnis gekommen sind. Lt. gezielter Recherche stößt man auf folgende Aussage; demnach würden unten genannte Hunderassen am häufigsten weitervermittelt werden, bzw. im Tierheim landen:

A) American Pit Bull Terrier
B) Jack Russell Terrier
C) Deutscher Schäferhund
D) Chihuahua
E) Beagle

Ganz egal, um welche Hunderasse es sich hierbei dreht. Ein Hund wird sehr schnell zum Problemhund, wenn er nicht richtig, artgerecht erzogen, unterfordert oder überfordert ist. Punkt! Jeder Hund, jede Rasse, hat das Bedürfnis, artgerecht erzogen und behandelt zu werden. Natürlich muss man bei jeder Rasse auch auf die Eigenschaften eingehen, wofür sie gezüchtet wurden; das darf nie außer Acht gelassen werden! Grundsätzlich aber sollte man zuerst einmal lernen, wie man einen Hund lesen kann, sich der Hundesprache/Kommunikation widmen und sich informieren, wie eine artgerechte Erziehung auszusehen hat. Wenn dies alles nicht der Fall ist, dann wird der Hund – egal welche Rasse – sehr schnell zum Problemhund. Hierbei aber mit dem Finger auf die Australian Shepherd zu zeigen, ist schlichtweg falsch!

Braucht der Aussie eine harte Hand?

Auf gar keinen Fall! Ich selbst habe es an meinem Nikan erlebt (durch einen Hundetrainer, der diese Methode bevorzugt) und auch von anderen Aussie-Besitzern mitgeteilt bekommen: “Ein Aussie ist sehr sensibel – zumindest die Meisten, auch hier darf man nicht pauschalisieren – eine harte Hand würde ihm und seinem Charakter schaden! „  

Ist der Aussie kein Anfängerhund?


Gibt es denn Hunde für Anfänger und Hunde für Fortgeschrittene? Muss sich nicht jeder Gedanken machen, wenn es darum geht, einen Hund einer bestimmten Rasse zu sich zu holen? Sicherlich ist ein Aussie bezüglich seiner Intelligenz, seines Hüte-Verhaltens kein einfacher Hund, er stellt wahrlich eine Herausforderung dar. Doch mal ehrlich, wie sieht es mit den Hunden aus den Tierheimen aus? Sehr viele Menschen, die noch nie einen Hund hatten, nehmen oftmals ein großes Überraschungspaket zu sich nach Hause, weil sie weder die Rasse kennen (Mischlinge) noch die Vorgeschichten dieser Hunde wissen. Sind das Anfängerhunde? Nein!

Es gibt keine Hunde für Anfänger und Hunde für Fortgeschrittene. Es gibt Menschen, die sich vorweg die Fachkenntnisse aneignen und in ihren Alltag mit Hund integrieren. Oder, sie lassen es bleiben. Diejenigen, die sich den Fachkenntnissen zum Thema Hund nicht aneignen, werden mit den verschiedensten Hundetypen Probleme bekommen!

Wichtig jedoch ist, dass man sich vorab darauf einstellt, welches „Lebewesen“ man sich nach Hause holt. Wie oben schon erwähnt und ich wiederhole es gerne: In erster Linie sollte man sich mit der Hundesprache, Hundekommunikation vertraut machen. Wie lese ich meinen Hund! Zudem ist es ebenso wichtig, sich mit der Rasse auseinanderzusetzen, wenn es um einen Zuchthund/Rassehund handelt, doch muss man sich vor Augen halten, dass das Verhalten eines Hundes nicht unweigerlich der Rasse zuzuordnen ist.

Ein Beispiel:
Würde ich behaupten, alle Jack-Russell-Terrier wären maßlos aggressiv und bissig – alle Halter von Jack-Russel-Terrier mögen mir dieses Beispiel verzeihen – so bekäme ich großen Ärger mit all den Besitzern. Diese Behauptung wäre schlichtweg falsch! Man darf nicht x-beliebig pauschalisieren, denn jeder Hund ist ein Individuum!

Jeder Hund – egal welche Rasse – braucht klare Regeln; man sollte ihm Grenzen setzen; er benötigt eine konsequente Erziehung mit positiver Verstärkung und Lob.

Fazit:

Ein Aussie ist auch nur ein Hund, nicht mehr und nicht weniger! Natürlich ist es enorm wichtig, sich über die Rasse, für die man sich entscheidet, genauestens zu informieren! Jedoch kann man nicht pauschal sagen, dass all die typischen rassenspezifischen Merkmale auf jeden einzelnen Rassehund zutreffen. Dies unterscheidet sich von Hund zu Hund enorm.

Um es abschließend noch einmal zu unterstreichen. Bevor man sich für einen Hund entscheidet, sollte man sich zuerst mit dem allgemeinen Wesen des Hundes auseinandersetzen. ( Hundesprache, Psychologie des Hundes, artgerechte Erziehung, Vorfahre Wolf usw.). Entscheidet man sich dann noch für eine spezifische Rasse, ist es ebenso wichtig, sich deren Merkmale genauestens anzuschauen.