Omas Klavier

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Wie das Klavier in mein Leben kam.

1971 brachen wir ( meine Familie und ich) unsere Zelte in Rheinland-Pfalz ab und zogen in das Allgäu. Meine Familie, dies waren meine Eltern, mein drei Jahre jüngerer Bruder, meine Oma und ich. Meine Oma besaß ein schwarzes Klavier, das sie damals mitnahm. Dieses Instrument weckte von Anfang an mein Interesse!

Klavierunterricht

Meine Eltern ermöglichten es meinem Bruder und mir, dass wir alsbald Klavierunterricht bekamen. Ich war damals noch keine 7 Jahre alt. An und für sich hatte ich Spaß am Klavierspielen. Wenn da nur nicht diese vermaledeiten Noten gewesen wären! Mit dem Spielen nach Noten stand ich von Anfang an auf Kriegsfuß. Auch mein Bruder hatte keinen Spaß daran, nach Noten zu spielen. Als er den Klavierunterricht nicht mehr besuchen wollte, begann er damit, seine Lieder nach Gehör zu spielen. Dafür beneidete ich ihn immer schon, denn das wollte mir damals nicht gelingen.

Somit lernte ich weiterhin meine Stücke nach Noten. Ich liebte das Instrument, doch irgendwie sprang der Funke bisher nicht ganz über und ich war nie wirklich zufrieden mit meinen Klavierkünsten.

Klassische Musik

Doch nicht nur die Noten ärgerten mich, sondern auch die Auswahl der Musikstücke. Wenn ich ein Lied höre, das mir gefällt, dann möchte ich es auch gerne auf dem Klavier spielen können. Jedoch war damals die Auswahl an Notenmaterial für moderne Musik nicht wirklich vorhanden. Es verstand sich von selbst, dass man sich der klassischen Musik anvertraute. Dies war auch der Wunsch meiner Mutter. Aber die klassische Musik war noch nie wirklich meine Musikrichtung! Okay, „Ballade Pour Adeline“, oder die „Mondscheinsonate“ und „Für Elise“ waren ganz okay, doch viel lieber hätte ich Musikstücke aus dem Pop-Genre, Musicals und Filmmusik gespielt.

Auf und Ab

Wenn ich so an meine musikalische Vergangenheit in Bezug auf Klavierspielen denke, dann war es eher ein Hallo und Auf Wiedersehen. Sprich, ein Weilchen war ich hellauf begeistert, dann gab es aber auch wieder Zeiten, da habe ich das Instrument nicht mal angesehen!

Zu meinem 18. Geburtstag wünschte ich mir eine Gitarre. Damals war ich sehr viel mit Freunden unterwegs; wir veranstalteten Grillpartys mit Lagerfeuer und Gitarrenmusik. Es war für mich das Schönste!
Natürlich hätte ich gerne mein Klavier dabeigehabt, aber leider kann man ein Klavier nicht überall mit hinschleppen. Ein Keyboard war für mich keine Option, wenn, dann musste es schon ein tragbares Digital-Piano mit gutem Klang sein. Doch dafür hatten wir kein Geld.

20 Jahre aktive Mitgliedschaft im Chor

Seit meinem 18. Geburtstag spielte ich abwechselnd Klavier und Gitarre. Diese zwei Instrumente kamen dann auch später im Chor zum Einsatz, indem ich den Chor einmal je nach Repertoire mit dem Digital-Piano und Gitarre begleitete. Doch nach wie vor hatte ich meinen ganz persönlichen Kampf mit den Noten. Damals hatte ich für drei Jahre das Amt der zweiten Chorleiterin und viele unserer Chorsätze schrieb ich selbst. Man stelle sich das mal vor! Ich hasste die Noten und schrieb viele unserer Lieder (jede Stimme extra)! Ich dachte mir damals, wenn ich mich auf diese Weise intensiv mit dem Liedgut beschäftige und die Noten schreibe, dann müsste ich mich doch irgendwann mal mit dem trockenen Notenmaterial anfreunden können. Doch all das half nichts. Wir wurden keine Freunde!

Wie auch immer, ich liebte das Klavier, die Klaviermusik und daher kämpfte ich mich weiterhin durch den
Notendschungel. Doch seit letztem Jahr gehört das Spielen nach Noten zur Vergangenheit! Endlich habe ich einen Weg gefunden, wie ich ohne Noten meine Stücke erlernen kann. Darüber werde ich in einem neuen Bericht näher darauf eingehen.

Es hat lange gedauert, doch seit gut einem Jahr macht mir das Klavierspielen so viel Spaß, dass ich es nicht mehr missen möchte!

Mein Klavier – das einzige Instrument

Während meiner Zeit im Chor und auch danach spielte ich mehrere Instrumente. Neben dem Klavier spielte ich Gitarre, E-Gitarre, Mundharmonika, Okarina und vergangenes Jahr kamen noch die Native American Flute und die Geige hinzu. Doch von all diesen Instrumenten musste ich mich schlussendlich schweren Herzens trennen.

Bis in jüngster Vergangenheit übte ich abwechselnd gelegentlich die Gitarre und Native America Flute. Leider bereitet mir das Üben dieser Instrumente aufgrund meines Muskelrheumas große Schmerzen. Glücklicherweise bin ich inzwischen weitgehend schmerzfrei und mir geht es wieder richtig gut, bis auf das Problem mit meinen Händen. Sprich, wenn ich z. B. die Flöte spiele und hierbei Druck ausübe, verkrampfen sich die Hände und schmerzen, das Gleiche beim Gitarrenspielen; die linke Hand verkrampft grundsätzlich bei den Griffen, insbesondere wenn Barrè – Griffe im Spiel sind. Dagegen ist für mich das Klavierspielen eine wahre Wohltat, ich würde sogar sagen, es ist wie eine Therapie für meine Hände.

Im Übrigen habe ich dies schon von mehreren Ärzten gehört, das Klavierspielen wäre hervorragend bei derlei rheumatischen Krankheiten. Ich kann es nur bestätigen!

Weniger ist mehr

Ja, es gibt kurze Momente, da denke ich mit Wehmut daran, dass ich letztlich auch meine Gitarre, die Geige und die American Native Flute hergeben musste. Jedoch habe ich an meiner Klavierkunst einen gewissen Anspruch sowie ein bestimmtes Ziel vor Augen:
Ich möchte jedes Lied nicht nur gut, sondern auch mit Herz und viel Gefühl spielen können. Sprich, mein Ziel ist es, ein Lied möglichst detailgenau mit Intro, Verse, Refrain, Bridge und Outro auf dem Klavier spielen zu können. Dies bedeutet wiederum üben, üben, üben…. Auch wenn es Spaß macht – inzwischen ohne Noten – es ist sehr zeitintensiv! Es gibt das Sprichwort: „Weniger ist mehr!“ Tatsächlich passt dies auch auf das Spielen verschiedenster Instrumente. Auch zu meinen aktiven Zeiten im Chor spürte ich deutlich, wie anstrengend es ist, mehrere Instrumente in einer kurzen Zeit üben zu müssen. Heute weiß ich, wenn ich mein Ziel erreichen möchte, eine gute Pianistin zu werden, dann konzentriere ich mich nur noch auf mein Klavier. Lieber spiele ich ein Instrument, und das richtig, als mehrere Instrumente, und diese nur halb.

Inspiration

Seit ich einen neuen Weg für das Einüben meiner Wunschlieder gefunden habe, finde ich durch Inspiration mehrerer Pianisten (-innen) so langsam meinen eigenen Stil. Zu Beginn höre und analysiere ich immer das Originallied (Musikstück). Danach suche ich nach mehreren Beispielen von Pianisten (-innen) und höre mir gerne ihre Umsetzung des Musikstückes an. Tatsächlich hilft mir das ungemein, Stück für Stück meinen eigenen Stil entwickeln zu können. In einem separaten Bericht werde ich noch näher in dieses Thema eingehen.

Mein Ziel ist es, einen Song/Musikstück, das ich liebe, auf meinem Klavier spielen zu können. Ob ich hierfür einen Tag, zwei Wochen oder mehr Zeit dafür benötige, das ist mir einerlei. Es geht mir nicht darum, möglichst viele Piano-Stücke in kürzester Zeit zu veröffentlichen und diese dann evtl. nur halb spielen zu können, sondern vielmehr darum, dass ich das Lied im vollen Umfang mit all seinen Facetten, seiner Geschichte und Emotionen wiedergeben kann. Früher gab es mal eine Zeit, da habe ich mich ständig unter Druck gesetzt und wollte möglichst schnell viele Klavierstücke spielen können. Doch ich erkannte sehr schnell, dass der Zuhörer es merkt und die wundervolle Stimmung dabei verloren geht.

„Die Klaviertechnik ist in Wirklichkeit sehr einfach, man braucht jedoch Jahre, um sie zu beherrschen.“

Glenn Gould