Mein Leben mit einem Aussie

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Keine Kühe, keine Schafe, wieso haben Sie sich für einen Aussie entschieden?

So, oder so ähnlich werde ich immer wieder mal angesprochen, wenn ich mit Nikan unterwegs bin.

Hierbei ärgert mich weniger die immer wiederkehrende Frage an sich, vielmehr ist es das falsche Bild vom Aussie, welches einem großen Teil der Menschen durch irreführende Rassenbeschreibungen übermittelt wird. Im Netz liest man häufig folgende Beschreibungen in dieser Art: „Australian Shepherd, die Arbeitsmaschine“. Diese Rasse wurde zum Hüten von Schafen und Kühen gezüchtet, die Aussies würden, ohne eine sinnvolle Beschäftigung (Schafe und Kühe hüten) zu Problemhunden werden, Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten und mehr, kein Familienhund…

Arbeitsmaschine, und das wars?

Generell ist es richtig, dass der Aussie ursprünglich zum Arbeitshund gezüchtet wurde, welche auch heute noch gerne von Menschen mit Nutztierhaltung bevorzugt genommen werden. Der Australian Shepherd wurde jedoch nicht nur zum Hüten von Nutztierhaltung gezüchtet = Arbeitslinie, daneben gibt es auch die Showlinie. Die Hunde aus dieser Linie sind meist kräftiger gebaut, haben mehr Fell und sind im Erscheinungsbild attraktiver. Es ist also schon mal wichtig zu wissen, dass es hier zwei Zuchtlinien gibt, die den Aussie ein differenziertes Erscheinungsbild geben und diese auch im Verhalten vorwiegend unterschiedlich sind. Liest man jedoch Rassenbeschreibungen wie im obigen Beispiel, so wird hier überwiegend von der Arbeitslinie gesprochen.

Auslastung

Wie jeder andere Hund braucht auch der Aussie mehr als den täglichen Spaziergang. Und die meisten Vertreter der Rasse sind wirklich für alles zu begeistern, was man ihnen anbietet. Wird ein Aussie zu wenig ausgelastet – hierzu zählt vor allem auch die Kopfarbeit – so sucht er sich eigene Beschäftigungsfelder, die uns Menschen oftmals überhaupt nicht gefallen.


Hierbei möchte ich noch erwähnen, dass jeder Hund artgerecht ausgelastet werden sollte. Jeder Hund mutiert irgendwann zu einem unausgeglichenen, verhaltensauffälligen Vierbeiner, wenn er nicht richtig ausgelastet wird. Natürlich benötigt die eine Rasse etwas mehr Auslauf und Kopfarbeit, die andere Rasse weniger.

Mein erster Hund war eine ganz großartige Samojeden-Hündin. Im Vergleich zu meinem Aussie war sie tatsächlich etwas leichter zu führen. Aber auch sie zeigte damals relativ schnell, wenn sie von uns mal weniger beachtet und ausgelastet wurde, indem sie z. B. mit Vorliebe unsere Abfalleimer durchwühlte.

Nikan, unser Aussie-Rüde, ist definitiv nicht unglücklich und verhaltensauffällig, weil er keine Kühe oder Schafe hüten kann. Im Gegenteil. Er liebt unsere gemeinsamen Spaziergänge mit Spiel und Kopfarbeit (Spiel verstecken/ Mantrailing usw.) Täglich bin ich mit ihm im Durchschnitt zwischen zwei und zweieinhalb Stunden unterwegs. Abends gibt es erneut eine Runde Kopfarbeit von zehn bis zwanzig Minuten. Danach ist er platt.

Ruhephasen 

Ich denke, das Problem liegt bei den Aussies weniger bei der Auslastung, sondern vielmehr daran, dass ein Aussie – den man wahrlich als Workaholic bezeichnen kann – als Welpe schon lernen muss, Ruhepausen einzuhalten. Die Herausforderung bei einem Aussie ist es, ihn recht schnell wieder zurück auf null zu bringen, denn als stets einsatzbereiter, fleißiger und robuster Arbeitshund haben sie kein Verständnis für solch „Unsinniges wie Ruhepausen“.

Ich erlebe es gelegentlich, wie Nikan von null auf hundert aktiv werden kann, d. h. gerade noch hat er geschlafen, Sekunden später steht er bereit für Action. Ginge es nach ihm, würde er gerne auf der Überholspur leben, höher, schneller, weiter! Doch auch ich musste sehr früh lernen, dass die Aktivität für Nikan in einem angemessenen Rahmen viel gesünder ist. Denn ein ständiges Leben auf der Überholspur würde letztlich den Stresslevel auf ein dramatisches Maß hochschrauben.

Hüte-Instinkt und Territorialverhalten

Beides rassespezifische Verhaltensweisen, die beim Aussie genetisch bedingt gerne zum Vorschein kommen. Es gibt aber auch Aussies, die haben weder mit dem einen, noch mit dem anderen Verhalten was am Hut.

Nikan hat sehr wohl beide Verhaltensweisen gezeigt, jedoch konnte ich dies gut in den Griff bekommen, indem ich ihn z. B. ein Verhalten zum Positiven umgewandelt habe. Beispielsweise, wenn ich mit Nikan unsere große Runde laufe, suchen wir uns meist einen schönen Platz im Ort und machen dort unser Päuschen. Nikan setzt sich mit Vorliebe etwas abseits vom Geschehen ab und beobachtet. Richtig glücklich ist er, wenn Frauchen sich mit ihm auf eine Bank setzt und ebenfalls das Treiben der Menschen beobachtet (ist doch auch Frauchens Vorliebe, Menschen zu beobachten😊).

Vom Arbeitshund zum Familienhund

Durch seine Intelligenz kann er recht schnell neue Befehle erlernen und komplexe Aufgaben lösen. Der Aussie hat eine hohe Lernbereitschaft und einen ausgeprägten Willen, seinem Besitzer zu gefallen.

Die konsequente Erziehung ist bei einem Aussie essenziell. Wird diese von Beginn an durchgezogen, so hat man die Möglichkeit, durch gezieltes Training das intellektuelle Potenzial zu entfalten und einen treuen Begleiter für das Leben zu gewinnen.

Aus all den oben genannten Gründen erweist sich der Aussie sowohl als Arbeitshund als auch als liebevoller Familienhund. Der Aussie ist für viele Menschen durch seine Fähigkeit, sich flexibel anpassen zu können, ein wertvoller Begleiter in unterschiedlichen Lebenssituationen geworden.


Für meinen Mann und mich, sowie für viele unserer bekannten Aussiehalter, ist der Aussie ein treuer Freund, stets loyal und aufmerksam, er hat ein freundliches Wesen – dies wird mir fast täglich von vielen Menschen bestätigt. Er ist sanft und ausgeglichen, kurzum er ist ein Spielgefährte für die Kinder und ein treuer Gefährte für die Erwachsenen und keinesfalls „nur“ ein Arbeitshund!

Einmal Aussie – immer Aussie